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Publikation: Wie begegnen wir dem demografischen Wandel?

KERNBOTSCHAFTEN

Was? Der demografische Wandel und die immer älter werdende Bevölkerung stellen bestehende Sozial- und Rentensysteme, sowie öffentliche Entscheidungsträger vor Herausforderungen, die mit gegenwärtigen Ressourcen und Ausrichtungen nicht adressiert werden können.

Was soll‘s? Wir müssen verstehen, ob und inwiefern innovative Lösungsansätze Alternativen darstellen, um dem demografischen Wandel und dem Altern unserer Bevölkerungsstruktur zu begegnen.

Was nun? Unsere Forschung untersucht die Initiativen ‚Wohnen für Hilfe‘ und ‚Zeitvorsorge‘ und leitet daraus Handlungsempfehlungen für öffentliche Entscheidungsträger ab.

Der demografische Wandel und immer älter werdende Bevölkerungsstrukturen stellen bestehende Sozial- und Rentensysteme, sowie öffentliche Entscheidungsträger vor enorme Herausforderungen, welche mit gegenwärtigen Ressourcen und Ausrichtungen nicht adressiert werden können. Innovative Lösungsansätze, wie die Initiativen ‚Wohnen für Hilfe‘ und ‚Zeitvorsorge‘, stellen spannende Alternativen zu bestehenden Systemen dar. Der folgende Blogpost fasst die Haupterkenntnisse unserer Forschung zusammen; die vollständige Publikation finden Sie unter diesem Link.

Eine signifikante Herausforderung der aktuellen Zeit stellt der demografische Wandel und die immer älter werdende Bevölkerung dar. Stagnierende Geburtenraten und höhere Lebenserwartungen sind die Hauptgründe des demografischen Wandels (Ulrich, 2005). Die ältere Generation ist in den meisten Ländern die am schnellsten wachsenste. Schätzungen haben ergeben, dass bis 2050 jeder dritte Deutsche und jede fünfte Person weltweit über 60 Jahre alt sein wird (The Boston Consulting Group 2012). Bis 2050 werden in der Schweiz über 27,4% der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein (Schweizerischer Arbeitgeberverband 2014). Der immer stärker wachsende Anteil an Senioren bringt eine hohe (finanzielle) Belastung für bestehende Gesundheits- und Rentensysteme (European Commission 2015; European Commission 2017), einen Fachkräftemangel, sowie eine Versorgungslücke (Mai 2008; Ulrich 2005). Beispielsweise wird aktuell 1 Schweizer Pensionär von 6,5 Arbeitnehmern finanziert; bis 2035 wird das Verhältnis auf 2,1 Arbeitnehmer sinken (Schweizerischer Arbeitgeberverband 2014). Bestehende Systeme und Institutionen können diesen Herausforderungen nicht gerecht werden. Daher ist es zwingend notwendig, dass alternative Lösungsansätze gefunden werden.

Das Thema ist aufgrund verschiedener Aspekte forscherisch relevant:

Soziale Entwicklungen und makroökonomische Trends fordern bestehende Versorgungssysteme heraus. Es ist zu erwarten, dass bestehende Pensionssysteme in Europa grundlegend verändert werden müssen (European Commission 2017). Daher ist es notwendig zu verstehen ob und inwiefern innovative Lösungsansätze (z.B. digitale Plattformlösungen) Alternativen darstellen, um weiterhin eine adäquate Versorgung für Betagte zu gewährleisten.

Bisherige Forschung hat herausgefunden, dass das Wohlergehen von Senioren stark davon abhängt, ob sie in ihrem gewohnten Zuhause alt werden können. Dieser Aspekt ist oft schwierig umzusetzen aufgrund von Verschlechterung des Gesundheitszustandes, finanziellen Aspekten, oder der fehlenden Unterstützung durch Familienangehörige. Wir benötigen ein umfängliches Verständnis für die Situation der Senioren, um alternative Marktlösungen zu entwickeln, die es den Betagten ermöglichen in ihrem gewohnten Zuhause alt werden können.

Die zunehmend alternde Bevölkerungsstruktur hat ausserdem weitreichende Auswirkungen für Forscher und Manager im Marketing und der Konsumentenforschung. Marketingstrategien, Forschung und Werbung zielt hauptsächlich auf jüngere Generationen ab (Gilleard and Higgs 2011), obwohl die älteste Bevölkerungsgruppe bis 2030 für ca. 86% Wachstum der Konsumentenausgaben verantwortlich sein wird (McKinsey Global Institute 2016). Wir sollten die Bedürfnisse der Senioren und wie ihr Wohlergehen gesteigert werden kann, verstehen.

Wir haben zwei dieser Innovativen Lösungsansätze erforscht, um ihre Auswirkungen und Relevanz für die Senioren und das Versorgungssystem zu verstehen. Die erste Initiative ist die Schweizer Zeitbank Zeitvorsorge.ch. Die zweite Initiative ist das weltweit verbreitete Wohnen für Hilfe.

  1. Zeitvorsorge.ch (Zeitbank) ist ein alternativer Lösungsansatz für die Versorgung von Betragten. Es wird durch eine non-profit Organisation geleitet und wird von der Stadt St. Gallen finanziert. Die Initiative erhält Unterstützung von lokalen Kirchengemeinden, dem SRK, und Pflegedienstleistern. Die Initiative bringt die Generation 60+ mit der Generation 80+ zusammen. Die Sechzigjährigen besuchen die Achtzigjährigen regelmässig und unterstützen sie im Alltag (z.B. beim Putzen, Einkaufen, Kochen, Arztbesuche), damit sie weiterhin in ihrem gewohnten Zuhause leben können. Die Sechzigjährigen erhalten kein finanzielles Inzentiv, sondern sammeln Stunden auf einer digitalen Zeitbank. Die angesammelten Stunden können dann später eingelöst werden um selbst Unterstützung im Alter von einer jüngeren Generation zu erhalten. Ähnliche Zeitbankansätze gibt es auch in Luzern (e.g. www.zeitgut.org) und weltweit (e.g. www.timebanking.org; Fureai Kippu Japan).
  2. Wohnen für Hilfe ist eine Wohngemeinschaft für zwei Generationen im Zuhause der Senioren. Der Senior ist ‚Vermieter‘ und der Student ist ‚Mieter‘- allerdings wird keine bzw. nur ein sehr geringer Anteil finanziell beglichen. Anstelle einer Mietzahlung unterstützt der Student den Senior im Alltag bei vorab definierten Aktivitäten (Pflegeaktivitäten sind dabei aber ausgeschlossen). Durch dieses Arrangement können die Senioren in ihrem gewohnten Zuhause weiterleben, das Sozialsystem wird nicht belastet, und die Studenten können (fast) kostenfrei wohnen. Die ‚Wohnen für Hilfe‘ initiative ist weltweit verbreitet und unterschiedlich organisiert. Meist organisieren Studentenvereinigungen, Stadtparlamente, und Freiwilligenorganisationen die Initiative.

Mehr alternative Lösungsansätze zur Betagtenpflege sollten entwickelt werden

Die Initiativen ‘Wohnen für Hilfe’ und ‘Zeitvorsorge’ stellen vielversprechende Lösungsansätze da, um den Herausforderungen durch den demografischen Wandel und der immer älter werdenden Bevölkerungsstruktur entgegenzuwirken.

Auf institutioneller Ebene haben Gesetzgeber und öffentliche Entscheidungsträger bereits begonnen Pilotprojekte alterativer Lösungsansätze zu testen. Diese alternativen Ansätze sind zwar momentan noch zu wenig verbreitet, um die tatsächliche Pflegelast stemmen zu können, allerdings wird der Bedarf nach innovativen Ideen, Freiwilligenarbeit, und neuen Tauschmodellen zunehmend steigen.

Ein grosser Anteil der Senioren benötigt nur wenig (physische) Unterstützung im Alltag, um unabhängig im gewohnten Zuhause zu leben. Die zwei vorgestellten Initiativen setzen genau dort an: sie bieten den älteren Menschen Unterstützung, ohne dabei die Versorgungssysteme zu belasten. Gleichzeitig steigert Leben in einer gewohnten Umgebung massgeblich das Wohlbefinden der Senioren.

Des Weiteren ermöglichen die Lösungsansätze eine starke soziale Komponente. Alle Beteiligten berichten, dass sie einen Gefährten, Freund, oder manchmal sogar ein neues Familienmitglied hinzugewonnen haben. Dieser Aspekt zeigt, dass die Initiativen zusätzlich auch noch soziale Isolation, einen Zustand der viele (ältere) Menschen betrifft, adressieren.

Weitere Informationen über unsere Forschung:

  • Ottlewski, L., Gollnhofer, J.F., Schouten, J.W, 2019. Humanizing Market Relationships: the DIY Extended Family’ In: Bajde, D., Kjeldgaard, D. and Belk, R.W. eds. 2019. Consumer Culture Theory, Research in Consumer Behavior, Vol. 20.
  • Ottlewski, L., 2018. From strangers to family: how material and non-material gift giving strategies create intimate relationships over time. In: Minowa, Y. and Belk, R.W ed. 2018. Gifts, Romance, and Consumer Culture, Routledge Interpretive Marketing Research. https://www.routledge.com/Gifts-Romance-and-Consumer-Culture/Minowa-Belk/p/book/9781138500709
  • Bajde, D. and Ottlewski, L., 2016. Cultural challenges of social-economic innovation: the case of ‘Housing for help’ In: Belk, R.W., Özçaglar-Toulouse, N. and Rinallo, D. eds. 2016. Consumer Culture Theory, Research in Consumer Behavior, Vol. 18.
  • Link zum Buchkapitel: https://www.emeraldinsight.com/doi/full/10.1108/S0885-211120190000020014
  • Treffen Sie uns auf der Transformamus: https://transformamus.com/
  • Contact us: Lydia.ottlewski@unisg.ch; Johanna.gollnhofer@unisg.ch

Referenzen:

  • The Boston Consulting Group, 2012. Global Aging – How Companies Can adapt to the new reality.
  • European Commission. (2015). The 2015 Ageing Report (Vol. 3217).
  • European Commission. (2017). The 2018 Ageing Report: state-of-play, (April 2017).
  • Gilleard, C. and Higgs, P., 2011. Consumption and Aging In: Settersten Jr.,R.A. and Angel, J.L. eds., 2011. Handbook of Sociology of Ageing. [e-book] New York: Springer Science+Business Media.
  • Mai, R., 2008. Demographic change in Germany. European View, [online] Volume number (7), pp. 287-296. Available through: DOI 10.1007/s12290-008-0048-4 [Accessed 10 April 2015].
  • McKinsey Global Institute, 2016. URBAN WORLD: THE GLOBAL CONSUMERS TO WATCH. [online] McKinsey & Company. http://www.mckinsey.com/global-themes/urbanization/urban-world-the-global-consumers-to-watch
  • Schweizerischer Arbeitgeberverband, 2014. Herbstversammlung AZU, 19. September 2014. Available at: http://www.arbeitgeber.ch/files/2014/10/20140919_SAV-Präsentation-Kaiser-Alternde-Gesellschaft-Wirtschaft.pdf
  • Ulrich, R.E., 2005. Demographic change in Germany and implications for the health system. Journal of Public Health, Vol. (13/1), pp. 10-15.

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